Zehn Jahre ZIO: Von der Nischen Onkologie zum Zentrum mit Leuchtturm-Angebot

Seit zehn Jahren gibt es das Zentrum für integrative Onkologie (ZIO). Der dort gepflegte integrative Behandlungsansatz, früher von Aussenstehenden noch als Therapie von «Kräuter-Onkologen» belächelt, ist heute das anerkannte Mass der Dinge. Was sich sonst noch geändert hat, erzählt Dr. med. Boris Hübenthal, Ärztlicher Geschäftsführer, im Interview.

«Heute wollen alle Onkologie-Zentren eine ganzheitliche Behandlung anbieten»

Das ZIO gibt es mittlerweile an fünf Standorten, und was das Unternehmen seinen Patientinnen und Patienten bietet, hat schweizweit Vorbildcharakter. Dabei begann vor zehn Jahren doch alles ganz bescheiden, wie sich Gründungsmitglied Dr. med. Boris Hübenthal erinnert.


Das ZIO ist 2025 zehnjährig geworden. Wie feiern Sie das, Herr Hübenthal?
Boris Hübenthal: Wir machen ein grosses Fest für die Mitarbeitenden. Mittlerweile arbeiten an die 100 Menschen beim ZIO. Sie sind primär mit der Patientenversorgung beschäftigt und bewältigen über 20’000 Konsultationen pro Jahr.

Sind weitere Aktivitäten geplant?
Boris Hübenthal: Ja, es gibt an verschiedenen Standorten einen Tag der offenen Türen, wo die Öffentlichkeit unsere Arbeit kennenlernen kann.

Wie war es 2015 überhaupt zur Gründung des ZIO gekommen?
Boris Hübenthal: Die Idee für das ZIO entstand, weil wir gemerkt haben, dass es eine ausserordentlich starken Bedarf nach professioneller Verbindung von klassischer Onkologie und Komplementärmedizin gibt. Ein ähnliches Modell wurde am damaligen Spital Richterswil, wo ich tätig war, praktiziert. Wir wollten mit dem ZIO aber näher zum Gros der Patienten in Zürich. Der Start des Unternehmens war dann aber im Oktober 2015 in Glarus, weil wir dort die einzige onkologische Schwerpunktpraxis im Kanton von einem Kollegen übernehmen konnten, der altershalber aufhörte. Das ZIO Glarus ist übrigens bis heute die einzige solche Praxis im Kanton Glarus. 2017 wurde der Standort Winterthur eröffnet, und 2025 der jüngste Standort in Uster.

Gab’s ein definiertes Ziel bei der Gründung?
Boris Hübenthal: Das hohe Ziel war, ein professioneller Anbieter von integrativer Onkologie – aus einer Hand – in Deutschschweiz zu werden.

Und hat man das erreicht?
Boris Hübenthal: Nein – wir sind viel weiter als damals gedacht. Wir rechneten nie mit fünf Standorten. Wir starteten mit je einem Arzt, einem Pfleger und einer Medizinischen Praxisassistentin. Doch das Vorhaben nahm recht schnell einen grösseren Umfang an.

Nämlich?
Als wir 2016 den ZIO-Standort Zürich eröffneten, wurden wir von Anfang an überrannt von Patientinnen und Patienten. Der Grund dafür war unser Konzept, nach dem Krebs eben nicht nur klassisch medikamentös behandelt wird, sondern wo man gleichzeitig die Gesundheit der Betroffenen mit ergänzenden, wissenschaftlich fundierten Massnahmen stärkt. Das ist genau das, was die Betroffenen und Ihre Angehörigen wünschen.

Welche Überraschungen gab es in den zehn Jahren?
Boris Hübenthal: Positiv war, dass der Wind gedreht hat und es mittlerweile nicht mehr so ist, dass das, was wir tun, als eine exotische initiative von grünen-Onkologen» eingestuft wird. Sondern, dass alle grossen Onkologie-Zentren eine integrative Behandlung anbieten wollen und sich dazu auch in einem entsprechenden Netzwerk –Swiss Network for Integrative Oncology SNIO zusammengeschlossen haben. Das bedeutet für uns eine Bestätigung unseres Modells. Überraschend war auch die Erfahrung, wie enorm herausfordern es ist, das Team zu vergrössern, das heisst, die passenden Mitarbeiter zu finden, die den integrativen Ansatz überzeugend vertreten.

Das ist ja heute grundlegend anders.
Boris Hübenthal: Ja, mittlerweile fragen Kolleginnen und Kollegen bei uns an, ob sie Teil unseres Teams werden können. Das ZIO ist ein attraktiver Arbeitgeber geworden.

Und was ist sonst noch nicht mehr so, wie noch vor zehn Jahren?
Boris Hübenthal: Bei den Patientinnen und Patienten ist das Bewusstsein für den ganzheitlichen Behandlungsansatz grösser geworden. Und es gibt immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse dazu. Erkenntnisse, die genau das, was wir machen, weiter untermauern.

Wissenschaftliche Erkenntnisse, zu denen auch das ZIO beiträgt?
Boris Hübenthal: Richtig, das ZIO ist immer wieder an wissenschaftlichen Projekten beteiligt. Das ZIO ist bespielsweise auch Mitbegründer des Swiss Hyperthermia Networks, dem Schweizer Hyperthermie-Netzwerk. Das ist ein Meilenstein in unserer Geschichte.
Das Netzwerk, in dem auch wissenschaftlich gearbeitet wird, bietet Patientinnen und Patienten einen Zugang zur Hyperthermie-Behandlung, wo mit einer gezielten Erwärmung des Körpers gegen Krebszellen vorgegangen wird.

Versuchen wir, einen Blick ins nächste Jahrzehnt zu werfen: Was wird da passieren?
Boris Hübenthal: In den vergangenen Jahren sind in Form von Medikamenten und Therapien enorm viele neue Lösungen für Krebspatienten dazugekommen; die Onkologie hat riesige Fortschritte gemacht. Aber: Man lebt dadurch auch länger und muss entsprechend länger mit Nebenwirkungen dieser Medikamente umgehen. Das führt zu einem vermehrten Betreuungsbedarf und damit zu insgesamt mehr Patientinnen und Patienten. Das ZIO dürfte in den nächsten Jahren etwa auf die doppelte Grösse anwachsen.

Das heisst: ausbauen.
Da die Zukunft auch eine weitere Schwerpunktbildung innerhalb der Onkologie bringen dürfte, bedeutet das, dass das ZIO neben dem zertifizierten Brustzentrum vielleicht auch einmal noch ein zertifiziertes Urogenitalzentrum aufbaut, wo gezielt Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane behandelt werden. Vielleicht gibt es noch weitere Spezialzentren, wir gehen da mit der Zeit.
Auch das Hyperthermiezentrum wird weiter ausgebaut.

Zum Geburtstag darf man sich etwas wünschen: Was würde Sie freuen?
Boris Hübenthal: Was mich jeden Tag freut, ist die gute Stimmung im Team und bei den Menschen, die wir belgeiten: Obwohl sie schwer krank sind und sie das angst- und sorgenbehafteten Thema Krebs begreiflicherweise belastet, kommen sie in guter Stimmung zu uns. Diese Stimmung zu stützen, das ist enorm wichtig. Und das wollen wir weiterführen.

Dr. med. Boris Hübenthal, Ärztlicher Geschäftsführer (CMO) ZIO
Dr. med. Boris Hübenthal ist Gründungsmitglied und Chief Medical Officer (CMO) des ZIO. Zusammen mit Nadine Wilhelm (Geschäftsführung), die im September zum Unternehmen stiess, sowie Finanzchef Rainer Blaser bildet er die Geschäftsleitung des Zentrums.
Hübenthal, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und anthroposophische Medizin, ist seit über 25 Jahren als Arzt aktiv. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen in der Inneren Medizin, Hämatologie und Onkologie. Tätig ist er am ZIO-Standort Zürich sowie als Belegarzt an zwei Spitälern.

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Die Teams der ZIOs sind gerne für Sie da.